22 | 08 | 2017

Adelheid, Quellwunder, Augenwaschen, Pützchens Markt

BONN. „Zuerst geht es zum Brünnchen und dann auf Pützchen“, lautet die Devise vieler Besucher eines der größten Volksfeste weit und breit: Pützchens Markt. Etwas abseits des Rummels liegt vor einer Kapelle ein Brunnen. Dorthin ziehen vor oder nach dem Kirmestreiben viele Menschen Zum Ritual gehört ein kurzes Innehalten, ein Gebet und abschließende Waschen der Augen. Doch was hat es mit diesem Brauch auf sich?

 

Alles begann mit einem Wunder

Es war wohl im Jahr 1005, als das Rheinland einer großen Dürre ausgesetzt war und sogar das Rheinbett fast austrocknete. Die von der Hungersnot bedrohten Menschen baten Adelheid, die Äbtissin eines Klosters nahe Bonn war, um Rat. Sie soll mit den Menschen der Umgebung intensiv gebetet und der Legende nach gezielt und mit Gottvertrauen ihren Äbtissinenstab in die Erde gestoßen und eine Wasserquelle gefunden haben. Daraus entstand ein „Pützchen“, das die Gefahr abwehrte und als “Adelheidis-Brünnchen“ bis heute sprudelt.

 

Zuerst zum Heilwasser und dann zum Markt

Nach ihrem Tod im Jahr 1015 stieg mit der Verehrung der Äbtissin Adelheid auch die Popularität des Brünnchens. Dem Wasser wurde schnell Heilkraft zugesprochen und zog Menschen aus der ganzen Region an. Eine Wallfahrtskapelle und ein Kloster wurden errichtet, um den Pilgerstrom zu betreuen. Heute zählt für viele Gäste von Pützchens Markt vorab der Besuch der Wasserquelle zum festen Ritual. Heilende Wirkung wird dem alaunhaltigen Wasser vor allem bei Augenleiden zugesprochen.

Im Lauf der Jahrhunderte pilgerten viele Menschen zu Adelheids Grab und der Quelle, durch die viele Wunder geschehen sein sollen. Um all diese Menschen zu verpflegen, entstand in der Mitte des 14. Jahrhunderts ein Markt mit Verpflegungsständen, Händlern und Gauklern. Bis heute ist daraus ein moderner, aber trotzdem traditionsreicher, fünftägiger Jahrmarkt entstanden, der jährlich auf den Marktwiesen und Straßen von Pützchen stattfindet und über eine Millionen Besucher anzieht.

Adelheid von Vilich wurde 1966 offiziell durch Papst Paul VI. heiliggesprochen und 2008 zur zweiten Bonner Stadtpatronin erhoben.