Abendlieder:Schönster Herr Jesu

"Gestohlener Christus" Bild aus dem Westerwald.
EG 403 „Schönster Herr Jesu“, Text. Münster 1677, 2. Strophe Heinrich August Hoffmann von Fallersleben 1842, Melodie: Glatz von 1842, Orgel und Satz: Lea Marie Lenart
2. Mai 2020
Friedemann Schmidt-Eggert
Lea Marie Lenart
Lea Marie Lenart

Lea Marie Lenart: Kantorin bei der Ev. Kirchengemeinde Hardtberg aus der Emmaus-Kirche Bonn-Brüser Berg (Rühle-Orgel) 

Heute, Anfang Mai passend ein Liebeslied. Gespielt von Lea Marie Lenart, Kantorin der Ev. Kirchengemeinde Hardtberg. Am 1. Mai wurden wieder die Maibäume aufgestellt. Auf großen Plätzen von den Junggesellenvereinen oder als einzelner Baum als Liebeserklärung. In diesem Jahr fiel alles etwas verhaltener aus. Trotzdem, der Mai ist der Monat der Verliebten. 

Doch es ist kein normales Liebeslied, sondern eines an Jesus. Eine Frömmigkeit, die uns heute eher etwas fremd erscheinen mag. Jesus als Objekt der Begierde? Kann man sich in Jesus verlieben? Als Frau, aber auch als Mann? Es gibt zahlreiche Beispiele für solche Liebeslyrik, die sich besonders an Jesus oder Maria entzündete. Eine „keusche“ Liebe nannte man das. Wie soll man das überschwängliche Gefühl denn sonst beschreiben? Oder womit vergleichen? 
Einer der Dichter dieser Lyrik ist Hoffmann von Fallersleben. Er ist nicht nur der Dichter der deutschen Nationalhymne, sondern er war Germanist,Bibliothekar, Liederforscher und hat wunderschöne Kinderlieder geschrieben, wie z.B. „Alle Vögel sind schon da“. Er hat eine zeitlang in Bonn gelebt und war Dozent bei Ernst Moritz Arndt. Seine deutsch-nationale Gesinnung und seine antisemitischen Äußerungen haben ihn im Nachhinein immer wieder in Verruf gebracht. Dabei war er selbst ein Verfolgter. Viele Jahre lebte er heimatlos und unstet. Er wurde insgesamt 39 mal „des Landes verwiesen“, und lebte mehrere Jahre auf der Flucht, ohne eine eigene Heimat. Er war fristlos als Professor aus dem preußischen Staatsdienst entlassen worden. Auf seinen „Wanderungen“, seinerstaatenlosen Zeit, schrieb er viele Lieder. Dabei hielt er sich als Konstante an seinem Glauben fest, von dem er nicht vertrieben werden konnte. Besonders die Beziehung zu Jesus war ihm ein Trost: „Schön sind die Wälder, schöner sind die Felder in der schönen Frühlingszeit; Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, der mein traurig Herz erfreut.“ 

FSE

1 Schönster Herr Jesu,   
Herrscher aller Herren,   
Gottes und Marien Sohn, 
dich will ich lieben, 
Dich will ich ehren,   
meiner Seele Freud und Kron. 

2 Schön sind die Wälder,   
schöner sind die Felder 
in der schönen Frühlingszeit; 
Jesus ist schöner,   
Jesus ist reiner,   
der mein traurig Herz erfreut. 

3 Schön ist der Monde, 
schöner ist die Sonne   
schön sind auchdie Sterne all. 
Jesus ist feiner   
Jesus ist reiner 
als die Engel allzumal. 

4 Schön sind die Blumen,   
schöner sind die Menschen   
in der frischen Jugendzeit; 
sie müssen sterben,   
müssen verderben:   
Jesus bleibt in Ewigkeit. 

5 Alle die Schönheit   
Himmels und der Erden   
ist verfasst in Dir allein. 
Nichts soll mir werden   
lieber auf Erden   
als Du, liebster Jesus mein. 

*Friedemann Schmidt-Eggert ist Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder. Als sie noch klein waren, hat er sie oft mit Abendliedern in den Schlaf gespielt.