O Heiland, reiß die Himmel auf!

Sonnenuntergang Bonn
Sonnenuntergang Bonn
EG 7 O Heiland reiß die Himmel auf/ GL 231, Text: Friedrich Spee (1622), Melodie: Köln 1638, Augsburg 1622, Satz: Stefan Horz, an der großen Ott-Orgel der Kreuzkirche Bonn-Zentrum.
7. Apr 2020
Friedemann Schmidt-Eggert
Stefan Horz
Stefan Horz

Ungeduld, Wut, Verzweiflung und ein unerschütterlicher Glaube, dass da ein Gott ist und er es gut mit uns meint. So könnte man das Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ zusammenfassen.  

Der Dichter Friedrich Spee wollten den Himmel nicht nur einfach öffnen, sondern aufreißen! Die Türen abreißen und den Himmel am liebsten aus den Angeln heben. Die Welt sei unerträglich, untröstlich, ein einziges Jammertal. Die Menschen litten unendliche Not, da kann doch Gott nicht so auf sich warten lassen! 

Ein drängenderes Lied finden wir nicht im Gesangbuch. Mir ist aus auch sonst keines bekannt, das solche Forderungen stellt. „Wo bleibt du Trost der ganzen Welt?“ Dieser Vers bringt es auf den Punkt: Gott, wo bleibst du? Das Lied ist einziger Hilferuf der Menschheit an ihren Gott. „Hier leiden wir die größte Not!“, lässt Spee uns singen.   

Auf der ganzen Welt sterben unzählig viele Menschen an dieser einen Krankheit. Wir können ihnen nicht helfen, weil wir kein Gegenmittel haben und weil es zu viele sind. Wir können uns noch nicht einmal selber helfen. Darum sind wir auf „Hilfe von außen“ angewiesen.  

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, im Himmel, wie auf Erden! 

FSE

Liedtext

1 O Heiland, reiß die Himmel auf 
herab, herab vom Himmel lauf,   
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,   
reiß ab wo Schloss und Riegel für.   

4 Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, 
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,   
komm, tröst uns hier im Jammertal.   

6 Hier leiden wir die größte Not,   
vor Augen steht der ewig Tod.   
Ach komm, führ uns mit starker Hand 
vom Elend zu dem Vaterland.     

*Friedemann Schmidt-Eggert ist Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder. Als sie noch klein waren, hat er sie oft mit Abendliedern in den Schlaf gespielt.