Abendlieder:Liebster Jesu wir sind hier

Zwiegespräch
Zwiegespräch
EG 161 Liebster Jesu wir sind hier, Text: Tobias Clausnitzer 1663, Melodie: Rudolf Ahle 1664, Orgel: Kantor Marc Jaquet. Lutherkirche Bonn, an der Peter - Orgel in der Südstadt
28. Apr 2020
Friedemann Schmidt-Eggert
Kantor Marc Jaquet
Kantor Marc Jaquet

Tobias Clasnitzer hielt im Jahre 1649 zur Feier des Westfälischen Friedens hielt die Feldpredigt. Die bewegten Zeiten hört man seinen Lieder an. - Marc Jaquet gibt ein einfühlsames musikalisches Lebenszeichen in bewegter Zeit von der Orgel der Lutherkirche in Bonn. 

 

„Liebster Jesu, wir sind hier“ ist der Titel eines der bekanntesten Lieder von Tobias Casnitzer. Als wollte er Jesus extra noch einmal darauf hinweisen, dass es die Menschen noch gibt. Sie sind gekommen, weil sie von Gott eine Antwort erwarten. Eine Antwort auf ihre Situation, ihr Leiden und ihre Fragen. 

Wir wenden uns zur Zeit an Virologen und Politiker. In naher Zukunft brauchen wir vielleicht vermehrt Wirtschaftsweise und Schuldnerberater. Wir haben eine Fülle von Spezialisten, die uns beraten. Doch es fehlt ganz oft noch einmal die Gesamtschau, der Überblick über die Situation. Der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat so eine „Überblicksbemerkung“ gerade gemacht. Sie stimmt einen nachdenklich. 

Bei allen wichtigen akuten Entscheidungen, bei allem Aktionismus braucht es auch die Frage nach dem Zusammenhang und dem Sinn, den wir erst allem geben müssen. Der österreichische Psychiater und Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl, hat in seiner Arbeit auf diese Sicht auf das Leben hingewiesen. Ereignisse haben keinen Sinn, aber wir können ihnen einen Sinn geben. Die Frage, welchen Sinn etwas hat, kann uns krank machen (weil es keine Antwort gibt). Frankl hat nachgewiesen, dass die Möglichkeit Ereignissen in meinem Leben einen Sinn zu geben, heilende Wirkung hat. 

Dazu gehört u.a. auch die „Selbstdistanzierung“. Damit meint er ein humorvolles Absehen von sich selbst. „Liebster Jesu, wir sind vier“ wird öfters mal spöttisch über die aktuellen Gottesdienstbesucherzahlen in manchen Gemeinden gesungen. Dabei wären wir im Moment froh, wenn wir wieder zu viert uns treffen könnten… 

FSE

1 Liebster Jesu, wir sind hier, 
Dich und Dein Wort anzuhören; 
lenke Sinnen und Begier 
hin auf Dich und Deine Lehren, 
dass die Herzen von der Erden 
ganz zu Dir gezogen werden. 

2 Unser Wissen und Verstand 
ist mit Finsternis verhüllet, 
wo nicht Deines Geistes Hand 
uns mit hellem Licht erfüllet; 
Gutes denken, tun und dichten 
musst Du selbst in uns verrichten. 

3 O Du Glanz der Herrlichkeit, 
Licht vom Licht, aus Gott geboren, 
mach uns allesamt bereit, 
öffne Herzen, Mund und Ohren; 
unser Bitten, Flehn und Singen 
lass, Herr Jesu, wohl gelingen. 

*Friedemann Schmidt-Eggert ist Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder. Als sie noch klein waren, hat er sie oft mit Abendliedern in den Schlaf gespielt.