"Mein Lied für dich" für die kommende Woche:„Gehe hinein in deinen Frieden“

Thomas Neuhoff
Thomas Neuhoff
EG 489 „Gehe hinein in deinen Frieden“, Text Helmut König 1957 nach einen Lied aus Israel , 2. Strophe Christine Heuser 1966 ▫ Melodie von Daniel Samburski 1935 (Israel); Orgel und Satz: Thomas Neuhoff, Organist der Lukaskirche an der Klais-Orgel.
13. Mai 2020
Friedemann Schmidt-Eggert
Schaufenster
Schaufenster

Den Frieden betreten, wie einen Raum, davon erzählt das Lied für diese Woche. Es ist eine „typisch deutsche“ Vorstellung: Der Friede ist ein Ort, an dem einem nichts und niemand etwas anhaben kann.Thomas Neuhoff intoniert das israelische Lied auf typische Weise mit viel Gefühl für Melodiebögen und Rhythmus. 

„fridu“ ist der Wortstamm des Wortes „Frieden“, es bezeichnet im Ursprung den „Burgfried“, den Turm in der Mitte der Burg, der uneinnehmbar und sicher war. Der römische Begriff „pax“ bezeichnet einen Vertrag, der griechische Begriff „eirene“ beschreibt die Gerechtigkeit und Ordnung als Ursprung des Friedens, der hebräische Begriff „shalom“ steht für einen inneren Frieden mit Gott, der zu einem äußeren mit der Welt führt. Handfest war die Vorstellung vom Frieden der Germanen: der uneinnehmbare Burgfried inmitten der Wehranlage. 

Wenn wir auf der Welt vom Frieden reden, verbinden wir damit ganz oft sehr unterschiedliche Vorstellung: von Ordnung, Gerechtigkeit, Absprachen und das Einhalten von Verträgen (z.B. Europa = „pax“), oder innere eine Haltung, die zum äußeren Frieden führt.   

Im Gesangbuch steht als Komponist der Melodie noch schlicht „aus Israel“. Offensichtlich wurde die Melodie erst später Daniel Sambursky zugeordnet. Der Komponist wuchs Königsberg auf, wohin seine Eltern aus Russland ausgewandert waren. Er selbst emigrierte 1932 nach Palästina und wurde später in Israel zu einem wichtigen israelischen Komponisten. 

Samburski studierte Musik am Konservatorium Danzig und begann ein Medizinstudium an der Humboldt-Universität in Berlin. Dort begegnete er Hanns Eisler, der ihn für politische Themen und für die proletarische Revolution begeisterte. Anfang der dreißiger Jahre emigrierte er nach Palästina. Dort arbeitete er bis 1948 als Musiklehrer am Gymnasien in Tel Aviv. Er komponierte zahlreiche Liedmelodien für verschiedene Dichter. Nach der Errichtung des Staates Israel war Sambursky weiterhin als Musiklehrer tätig und organisierte die landesweit ersten gemeinschaftlichen Singveranstaltungen, in Israel Shira betzibur („Singen in der Gemeinschaft“) genannt. Viele seiner Lieder sind bis heute populär, darunter Shir haemek von 1934 („Lied des Tales“, gemeint ist Emek Jizre'el, Text: Nathan Alterman). Dieses Lied, mit den Anfangsworten Ba'a M’nucha ist die Grundlage für das Lied Gehe ein in deinen Frieden. 

Sambursky starb 1977 in Tel Aviv und wurde auf dem Friedhof Kiryat Shaul begraben. Im Tel Aviver Stadtviertel Azorei Chen wurde eine Straße nach Daniel Sambursky benannt. 

FSE

1 Gehe ein in deinen Frieden! Schlafe einen guten Schlaf! Ruh dich aus nach deiner Arbeit, und gesegnet sei die Nacht. Mondlicht fließt herab vom Himmelszelt, und der Tau glänzt auf unserm Feld. Preist den Tag und die Nacht! Preist die Nacht und den Tag! Preist die Sonne, preiset die Erde, preist den Herrn aller Welten. Amen, Amen. 

2 Ihn, um den die Sterne kreisen, ihn, der alle Himmel kennt, preist ihn, der in unsern Nächten heller als die Sonne brennt. Der das Grauen, der den Tod bezwang, beugt sich über unseren Schlaf. Preist den Tag und die Nacht! Preist die Nacht und den Tag! Preist die Sonne, preiset die Erde, preist den Herrn aller Welten. Amen, Amen.