Auf ein Wort – Gedanken am Mittwoch aus dem Bonner Kirchenpavillon

Kirchenpavillon Bonn
Kirchenpavillon Bonn
Lieber Kirchenpavillon, du bist völlig leer. Und das nun schon seit Wochen. Aber nicht aus Erschöpfung, sondern wegen „geschlossen“. Du teilst das Schicksal mit ganz vielen anderen Kirchen, Gemeindehäusern, aber auch Restaurants und Cafés. Du könntest ja! An dir liegt es nicht! Aber wir, wir dürfen nicht kommen. Wir sollen uns nicht treffen, weil wir ansteckend sind.
8. Apr 2020
Von Pfr. Friedemann Schmidt-Eggert

Wir und nicht du.

Dich trifft keine Schuld. Wir sind ansteckend, wie ein Lachen. Oder Gähnen. Nein, es ist nicht lustig. Gerade für ältere Menschen ist es richtig gefährlich. Und wir wollen niemand in Gefahr bringen. Deswegen bist du zu. Wahrscheinlich sogar für länger.

Wie das wohl für dich ist? Hoffst du jeden Morgen, dass gleich jemand kommt, um dich aufzuschließen? Wer macht dich sauber, wer kümmert sich jetzt um dich?

Ah ja, es kommen schon noch Menschen, die Mitarbeiter. Ja, die sind da. Nicht alle auf einmal, meist nur ein oder zwei. Aber so kriegen sie deine Tische auch nicht voll! Kein Gemurmel, kein Lachen, kein Kindergeschrei, keine Gespräche, kein Leben mehr in deinem Café. Alles nur noch per Telefon und digital. Aber das ist nicht das gleiche.

Uns war das gar nicht bewusst, wie wichtig es uns ist, dass wir uns treffen. Wie wichtig solche Räume sind, wie du! Wo wir uns verabreden, hinsetzen und gemeinsame Zeit verbringen können.

Unser Gemeindeleben, ja unsere Gesellschaft ist genau daraufhin angelegt, dass wir uns sehen und sprechen hören. Und zwar näher als Ein-Meter-Fünfzig Abstand. Wir umarmen uns zur Begrüßung, oder geben uns mindestens die Hand. Man könnte Sorge haben, dass die Menschen das jetzt verlernen werden, je länger das alles dauert. „Social distacing“ heißt die Devise. Das nehmen viele sogar so wörtlich, dass sie nicht einmal mehr grüßen. Sie schauen zu Boden, als könnte man sich schon beim Anblick eines Menschen anstecken.

Mich beschleicht seit Wochen so ein Karfreitags-Gefühl. Dieses Gefühl, dass plötzlich etwas zu Ende ist und keiner weiß, wie es weiter gehen soll. Stillstand, Rückzug ins Private, Einsamkeit und Trauer machen sich breit. Ende Aus.

Irgendwie kommt man da von selbst nicht raus.

Man wartet nur noch auf die Erlösung von Außen, dass da jemand kommt und sagt: „Auf, jetzt! Das Leben geht weiter. Der Herr ist auferstanden, da könnt ihr doch jetzt nicht liegen bleiben!“ Darauf warte ich. Darauf hoffe ich. Nicht dass ein anderer die Lösung bringt, sondern dass Gott sich einbringt und sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Off 21,5) Und dann geht das Leben wieder los. Ostern eben.

„Ich unterbreche Sie kurz, für einen kleinen Augenblick. Das machen wir im Kirchenpavillon mittwochs immer so. Sie dürfen gerne weiter essen und trinken, ich freue mich, wenn Sie mir kurz ihre Aufmerksamkeit leihen“ – so heißt es normalerweise immer mittwochs im Kirchenpavillon, wenn wir im laufenden Cafébetrieb mit einem kurzen Impuls unterbrechen.

Denn: Nicht alles ist abgesagt! Der laufende Cafébetrieb im Kirchenpavillon zwar schon, aber der Impuls bleibt. Nicht alles ist abgesagt!

Martina Baur-Schäfer und Pfr.in Ulrike Verwold sind in der Zeit, in der der Kirchenpavillon geschlossen bleiben muss unter der Telefonnummer: 0228 -639070 erreichbar oder unter www.kirchenpavillon.de