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News
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Newsletter 21 | genervt und mürbe | 27.02.2021

Datum:
01.03.2021
Unser Kontemplationslehrer Winfried Semmler-Koddenbrock, Pastoralreferent und Krankenhausseelsorger, hat einen Newsletter angelegt, um uns während der Corona-Zeit menschlich und geistlich zu begleiten und zu unterstützen. Dafür bedanken wir uns sehr und wünschen Ihnen und uns allen Gelassenheit und einen offenen Blick!

Liebe Leserinnen und Leser des Newsletters,

es ist gerade schwierig, in Worte zu fassen, was mir durch Herz, Kopf und Körper geht. Die Coronasituation, die Maßnahmen, die Perspektiven, alles ist etwas disparat. Klarheit ist etwas anderes. Die Situation fordert uns heftig heraus, die Politik tut sich schwer, es gibt erhebliche Sorgen und Ängste, Gerangel um Impfplätze. Viele sind ungeduldig, manche Nerven liegen blank.
 
Was kann ich da sagen? Geben wir die Solidarität nicht auf. Die Pandemie betrifft viele in ganz unterschiedlicher Weise. Wir können nicht einfach öffnen auf Kosten von 40% der Bevölkerung, die in irgendeiner Weise zu vulnerablen Gruppen gehören. Es gibt allein schon in diesen Gruppen zu viele zwingend notwendige Kontakte. Die Kinder und Jugendlichen sind hart betroffen, die mit wenig Ressourcen mehr als die, die aus einem gut gestellten Umfeld kommen, die Eltern, die Lehrerinnen und Erzieher … .
 
Vielleicht hilft die Empathie in die Situation der anderen. Der eigentliche Skandal findet nicht innerhalb von Deutschland statt, sondern im Verhältnis der westlichen Länder zu den Ländern, die nicht so viele Ressourcen haben. Vom Impfstoff-Nationalismus ist hier die Rede, zu Recht. Warum werden die Impfstoffe nicht weltweit gerecht verteilt, warum die Patente für die Impfstoffe nicht freigegeben wie bei Aids? Sie sind mit vielen öffentlichen Geldern entwickelt worden, wie kann es sein, dass das ein privates Gut ist? Wir können die Pandemie tiefgehend nur gemeinsam bekämpfen.
 
Die Auswirkungen der Pandemie auf Ernährung, Einkommen und Sicherheit treffen die Armen viel härter und länger. Es braucht den Druck der Zivilgesellschaft auf Politiker:innen und Wirtschaftsführer:innen, dass wir unsere Welt nicht weiter auf die alte Weise organisieren können. Die Probleme Klimawandel, Welternährung, Armut, Migration, kriegerische Konflikte sind zu vernetzt. Die internationale Online-Tagung „The (re)construction oft he world“ vom 12.-14.02.21 war für mich ein starker Ruf, dass es jetzt politische und wirtschaftliche Veränderungen in Richtung mehr Kooperation braucht, wenn es nicht zu spät sein soll. Die Erfahrung von Einheit in der Kontemplation will konkret werden in unserem alltäglichen und politischen Leben.
 
Papst Franziskus schreibt in seinem neuen Buch Wage zu träumen. Mit Zuversicht aus der Krise, Kösel 2020: „Covid hat jene andere Pandemie demaskiert, den Virus der Gleichgültigkeit, das Ergebnis des dauernden Wegschauens und des Sich Einredens, dass, weil es keine sofortige oder magische Lösung gibt, es besser ist, gar nichts zu fühlen. […] Die Schaffung einer Kultur der Fürsorge wird Zeit brauchen, sie ist aber eine unvermeidliche Verpflichtung, auf der wir mit aller Deutlichkeit bestehen müssen. […] Wir müssen unsere Wirtschaft neu entwerfen, so dass sie jedem Menschen Zugang zu einem Leben in Würde gibt und gleichzeitig die Natur schützt und regeneriert.“ (zitiert aus fiftyfifty. Wohnungslose von der Straße lesen, Februar 2021, S.9)

Herzliche Grüße,

Winfried Semmler-Koddenbrock