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News
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Newsletter 20 | Die Krise hinter der Krise | 19.01.2021

Datum:
20.01.2021
Unser Kontemplationslehrer Winfried Semmler-Koddenbrock, Pastoralreferent und Krankenhausseelsorger, hat einen Newsletter angelegt, um uns während der Corona-Zeit menschlich und geistlich zu begleiten und zu unterstützen. Dafür bedanken wir uns sehr und wünschen Ihnen und uns allen Gelassenheit und einen offenen Blick!

Liebe Leserinnen und Leser des Newsletters,

vom Co-Vorsitzender des UN-Weltbiodiversitätsrates, Josef Settele, stammt der Ausdruck „die Krise hinter der Krise“, die die Gesellschaft nicht wahrnimmt (Bonner Generalanzeiger = GA 09./10.01.21). Wir seufzen schon unter dieser Krise, sie geht uns auf die Nerven, sie kostet Existenzen und Leben. Und sie geht erstmal nicht weg. Die eigentliche Krise ist noch dahinter???
 
Inger Andersen, Chefin von UNEP, dem UN-Umweltprogramm, sieht drei globale Krisen, die eng verknüpft sind: Klimawandel, Verlust der Biodiversität, Umweltverschmutzung (GA 09.12.20). Der Zusammenhang zwischen dem Raubbau an der Natur (Abholzung, industrielle Vierzucht, …) und den Pandemien ist vielfach beschrieben worden. Wir rücken der Natur immer mehr auf die Pelle. „Seit 1960 zählt die Welt mehr als 300 neue Krankheiten, davon sind 60 Zoonosen – Infektionskrankheiten, entstanden durch Erreger, die vom Tier zum Menschen übersprangen“ (GA 09.10.01.21).
 
Es hilft nicht sehr, das Problem als moralischen Anspruch zu stellen. Das motiviert nicht viele. Eher: Wo sind wir betroffen, was tun wir uns selber an? Es ist unser großer Schöpfungs-Leib und es hat jetzt schon Auswirkungen auf uns. Wäre nicht ein anderes Leben auch attraktiver für uns? Mit weniger Ansprüchen, Stress und weniger langen Reisen? "Seuchen sagen uns, wer wir sind", heißt es in der amerikanischen Fachzeitschrift "Foreign Affairs" (28.03.20). Also, schauen wir auf uns, nicht auf die anderen. Wer sind wir? Wie leben wir? Geht es uns gut damit? Oder hat die Haltung der Ausbeutung, des Immer-Schneller und Immer-Mehr, des Es-ist-nicht-gut-Genug uns selbst im Griff? Ist das sozialer Krebs, bei dem uns unser Lebensstil krank macht? Ich glaube, wir werden glücklicher, wenn wir nicht mehr über unsere Grenzen leben, sondern im Einklang mit unserer Mitwelt und mit uns selber.
 
Was wäre die Einladung? Der Heilpädagoge Paul Moor sagt: „Nicht gegen den Fehler kämpfen, sondern für das Fehlende da sein“ (mündlich überliefert von Pia Gyger). Es bewirkt doch mehr Befriedigung und Frieden, wenn wir geschwisterlich zu Bienen, Mohnblumen und Menschen sind.
 
 
Ich wünsche uns, dass wir die Kraft zum Durchhalten in diesen Monaten finden. Ich grüße alle,

Winfried Semmler-Koddenbrock