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News
München Synagoge Jakobsplatz

Tol'dot & Tarbut: Jüdische Geschichte & Kultur:Programm 1. Halbjahr 2022

Datum:
10.01.2022

Nichts Jüdisches ist mir fremd“, erklärte in einer Radiosendung der Religionshistoriker Gershom Scholem. Daran möchte auch die Reihe Tol‘dot & Tarbut (Geschichte und Kultur) anknüpfen. In ihrem Fokus stehen Personen, Ereignisse, Zeiträume und Orte, in denen sich bestimmte Entwicklungen der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur geradezu kristallisieren. Die Reihe wendet sich nicht an Experten der Judaistik und Religionsgeschichte, sondern möchte einem breiteren Publikum die reiche Geschichte und die unterschiedlichen Strömungen des Judentums jenseits aller Folklore erschließen. Frühjudentum, Frühchristentum und rabbinische Zeit; Reform, säkulares Judentum und moderne Orthodoxie; Kabbala, Chassidismus, Philosophie und Aufklärung, Assimilation und Zionismus, aschkenasisches und sefardisches Judentum bezeichnen Richtungen und Erscheinungen, die nicht zu harmonisieren oder auf ein zeitloses Wesen zu reduzieren, sondern auch in ihren Unterschieden, ja Gegensätzen darzustellen sind. Es gibt einiges neu und an scheinbar Bekanntem neue Seiten zu entdecken – und schließlich: Auch der christlich-jüdische Dialog lebt nicht nur vom guten Willen der Gesprächspartner, sondern ebenso von deren Wissen.

 


 

Making of Selma Stern (1890-1981)
Das Eigene in der Geschichte' oder: Aus der Werkstatt deutsch-jüdischer Biographik

Do 07.04.2022 │ 19.30 Uhr
Dr. Marina Sassenberg, Duisburg
Online-Vortrag via Zoom; Online-Veranstaltung; die Anmeldung erfolgt einfach über den externen Zoom-Registrierungslink: https://zoom.us/meeting/register/tJcsceupqDsjHdZS2SjdakXvsrfhfCPHtP6K 

Im Jahr 2004 veröffentlichte Marina Sassenberg das erste umfangreiche biographische Werk über die deutsch-jüdische Historikerin Selma Stern. Mehr als zwanzig Jahre nach Beginn des Projekts hat sich die Forschung weiterentwickelt, das Projekt ist selbst ein Stück Zeitgeschichte geworden. Basierend auf Korrespondenzen aus sieben Jahren Forschungstätigkeit wirft der Vortrag einen Blick hinter die Kulissen der historischen Biographik um die Jahrtausendwende. Es geht um bleibend aktuelle Herausforderungen beim Suchen und Auffinden von Quellen, um Networking,  das Bauen eines methodischen Gerüsts, um lösbare und unlösbare Probleme, große und kleine Dramen, aber auch um Zufall und Glück. Die Retrospektive steht im Kontext der Übergabe des  gesamten Quellenmaterials der Publikation an das Selma Stern Zentrum Berlin-Brandenburg.


Jüdische Künstlerinnen in den Avantgarden der Zwischenkriegszeit
Vjera Billers ‚vergessenes‘ Oeuvre
Do 12.05.2022 │ 19.30 Uhr
Dr. Mirjam Wilhelm, Wien
Online-Vortrag via Zoom; Online-Veranstaltung; die Anmeldung erfolgt einfach über den externen Zoom-Registrierungslink: https://zoom.us/meeting/register/tJArduirrDMiH9VA37XKjJ7nFenAgh_dMdY1 

Die Künstlerin Vjera Biller (1903 in Đakovo – 1940 in Hartheim bei Linz) gehört zu einer ganzen Generation ‚vergessener’ Expressionistinnen, die in den Avantgarden der Zwischenkriegszeit große Erfolge feierten, jedoch nach der Shoah völlig aus dem kollektiven Gedächtnis und dem Kanon der Kunstgeschichte verschwunden sind. Biller tritt schon mit 16 Jahren erstmals als Künstlerin in Erscheinung und stellt 1919 erfolgreich gemeinsam mit der ungarischen MA-Avantgarde in Budapest aus. Zwischen 1921 und 1922 zählt sie zu den aktivsten Teilnehmer*innen des Berliner Sturm-Zirkels um Herwarth Walden. Ihre von der Ästhetik des Primitivismus sowie vom Leitmotiv des Kindlichen geprägten Arbeiten werden hier gemeinsam mit Werken auch heute noch hinlänglich bekannter, männlicher Avantgardisten wie Alexander Archipenko, Marc Chagall oder Paul Klee gezeigt. Ab 1924 ist Biller eine der wenigen Frauen, die sich innerhalb des Zenitismus – der von Ljubomir Micić ins Leben gerufenen jugoslawischen Avantgardebewegung in Belgrad – etablieren kann. Das die Kunstpraxis Billers prägende Leitmotiv des Kindlichen mittels dessen sich die Künstlerin so erfolgreich über Länder- und Gruppengrenzen hinweg in der transeuropäischen Avantgardelandschaft positionieren konnte, wird im Fokus des Vortrags stehen. Durch die Beschäftigung mit Kinderkunst, primitivistischen Gestaltungstechniken sowie jüdischen Symboliken artikuliert sich in Billers facettenreichem, zugleich aber überaus fragmentiertem Oeuvre eine tiefergehende künstlerische Auseinandersetzung mit der eigenen jüdischen Herkunftsgeschichte. Es wird ein Schlaglicht geworfen auf dieses lückenhaft gewordene Lebenswerk und im Sinne einer Kunstgeschichte ex negativo dessen unterschiedlichen Bedeutungsebenen nachgegangen, in denen sich die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts symptomatisch verdichtet und die Biller mal als transeuropäische Avantgardistin, mal als Exilkünstlerin, mal als New Woman, mal als vermeintlich ‚Geisteskranke‘ und schließlich als vom NS-Regime Verfolgte wieder sichtbar machen.


„1700 Jahre Aschkenas. Ein Panorama“
Do 09.06.2022 │ 19.30 Uhr
Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Potsdam
Online-Vortrag via Zoom; Online-Veranstaltung; die Anmeldung erfolgt einfach über den externen Zoom-Registrierungslink:  https://zoom.us/meeting/register/tJIvc-yurTwsEtetcKAA0fLSPj9C2GBdU3Uv 

Aschkenas ist 1700 Jahre alt geworden. Damit hat er Methusalem mit seinen läppischen 969 Jahren weit überholt. Man sollte sich aber nicht nur über die lange Dauer, sondern über die unglaubliche Ausdauer wundern. Denn es ist nichts, gar nichts unversucht gelassen worden, Aschkenas zu ermorden. Erst vor 80 Jahren hat sich der ganze Kontinent verschworen ihn endgültig zu erledigen und er hat nur äußerst knapp überlebt. Ich versuche eine Ansprache zur Geburtstagsfeier des Hochbetagten vorzutragen. Lässt sich sein Leben als Ganzes überblicken und in Abschnitte gliedern? Was hat er erlitten, was hat er geleistet, was hat er erreicht und welche Lehren lassen sich aus seiner Geschichte ziehen? Ich glaube der Versuch lohnt sich und ist lehrreich.“

Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Bonn, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bonn, Evangelisches Forum Bonn, Deutsch-Israelische Gesellschaft Bonn, Gedenkstätte Bonn, Seminar für Liturgiewissenschaft und Seminar für Religionspädagogik der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität Bonn, Studium universale der Universität Bonn.

Die Teilnahme ist kostenlos.